DAS BASELWITZ ABC

 

 

Christian Möller Ein Gespräch über das System Kunst
Samstag, 15.02.2014, 15 Uhr
Hirschberg Reichenberger Str. 120, 10999 Berlin Kreuzberg
U Görlitzer Bahnhof / Metro Bus M29 Haltestelle Ohlauer Strasse
Es gibt sowohl kalte und warme, nicht alkoholische, wie alkoholische Getränke. Und keinen Verzehr-Zwang.

 

 

Wir haben es satt
Wir sind es leid


Seit dem Mauerfall hat sich unser Staat weitgehend seiner Verantwortung gegenüber der Bildenden Kunst entledigt. „Privatsponsoring“ hieß das Zauberwort Anfang der Neunziger Jahre. Das Ergebnis sehen wir heute. Es ist ein Betrieb ohne gesellschaftlich vereinbarte Grundlagen. Ein Betrieb der mit all seinen Konsequenzen ausschließlich von „oben“ delegiert wird. Von der Bevölkerung wird die Leistung der Künstlerinnen und Künstler als etwas wahrgenommen, was es in erster Linie umsonst gibt. Ein Schnäppchen. Sie glaubt es handle sich hierbei um Unterhaltung und Amüsement.


Kunst ist das Bindeglied zwischen Geisteswissenschaft und Gesellschaft. Fällt sie weg, befinden wir uns auf dem Weg in die Barbarei. Wir brauchen nicht zu glauben, wir seien die einzige „Hochkultur“, die nicht im Stande ist einen solchen Rückschritt aus dem Nichts heraus erneut hinzulegen.


In der Breite fehlt das notwendige Bewusstsein für diese Aufgabe. Der Voraussetzung geschuldet und als fatale Folge davon, haben wir es nicht mit einem Spektrum an Vielschichtigkeit zu tun, sondern mit einem Betrieb, der im Gesamten am Tropf von Privatiers, Banken, Spekulanten, Vermögenden und Supereichen hängt. Dadurch findet eine Zensur und Selektion statt, die in keinster Weise gerechtfertigt ist. Durch das fehlende Korrektiv entsteht somit ein verzerrtes Abbild unserer Gesellschaft und Kultur. Eine gefährliche Desinformation.


Auf den Messen geht es zu wie in einem Einrichtungshaus. Wie in einem Designer - Laden für teure Klamotten sieht es dort aus. Gesellschaftsrelevante, wie politische Positionen kommen überhaupt nicht mehr vor. Sie sind in das Hinterzimmer unserer Nation gerückt. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen für die Künstlerinnen und Künstler katastrophal. Nur diejenigen, die von Haus aus finanzkräftig aufgestellt sind - und damit auch ihr Blickwinkel und ihr Gesamtverständnis dem gleichkommt – oder die, die sich hemmungslos, ohne Ende vor diesen Einrichtungen herumtreiben und auf das Erniedrigendste anbiedern - finden in dem Betrieb Platz. Wie soll Geist entstehen und wachsen wo Erbärmlichkeit die Grundlage ist. Wir fordern eine flächendeckende und angemessene Entlohnung für unsere erbrachte Leistung. Unabhängig von den Launen und der Willkür einer kleinen Clique.


Eine Demokratisierung hat in der Bildenden Kunst bis heute nicht stattgefunden. Die Museen und Institutionen werden aus dem Hintergrund heraus gelenkt und geleitet von einer Horde Raffgieriger. Abseits gesellschaftlicher Normen und Regeln, werden diese Einrichtungen von Menschen bestimmt, die auf gesellschaftliche Vereinbarungen und Abkommen pfeifen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Nach außen gibt man sich kulant und generös. Hintenherum werden Andersdenkende kaltlächelnd abserviert. Der Kunstmarkt selber ist zu einer Geldwaschanlage verkommen. Wer weltweit schmutzige Geschäfte macht, will sich das Elend, was er damit anrichtet, nicht auch noch in seiner Freizeit beim Spaziergang und Hof halten auf dem Messegelände antun.


Auf die jetzige katholische Fehlbesetzung und den damit einhergehenden spirituellen Totalausfall der Staatsministerin für Kultur, Monika Grüters können wir nicht hoffen. Wer sich am liebsten mit dem Papst und dem Gesetzesbrecher und Altkanzler Helmut Kohl ablichten lässt, gehört umgehend des Amtes verwiesen. Wir verlangen eine effiziente, schlanke Einrichtung für Kunst und Kultur, die dem Ausverkauf unserer geistigen Werte ein Ende bereitet, Vielfalt zulässt und in gleichwertigen Anteilen, entsprechend gesellschaftsbezogener Mehrheitsverhältnisse - eine öffentliche Präsenz in der „Spitze“ zusichert.


Wir bestehen auf eine gesellschaftlich relevante Anerkennung unserer Leistung, die in jedem anderen Bereich selbstverständlich ist. Und falls nicht. Zu sein hat. Diese Einrichtung soll einen notwendigen Gesellschaftsvertrag erarbeiten und aushandeln. Auf die Abhängigkeit von Banken, Spekulanten, Devisenhändlern und Vermögenden, samt deren einfältigem Geschmack, dürfen wir nicht weiter angewiesen sein, wenn wir unsere Aufgabe sinnvoll und geistreich erledigen wollen. Diese Einflussnahme muss aufhören. Kunst ist kein Jahrmarkt für Superreiche, die nicht ansatzweise begreifen wollen, um was es sich hierbei überhaupt handelt. Es ist die Allgemeinheit die von uns profitiert. Somit ist es auch die Aufgabe der Allgemeinheit dafür Sorge zu tragen, das das gewährleistet wird. Die Mittel sind im Überfluss vorhanden. Wir werden sie daran erinnern was sie damit zu tun haben. Was wirklich Wert hat im Leben und was nicht.


Es ist heute auch wieder an der Zeit den Missbrauch der Bezeichnung Kunst, der mittlerweile in vielen Bereichen Anwendung findet, die nicht annähernd etwas mit dieser Tätigkeit zu tun haben, zu korrigieren.


Wir sind nicht weiter bereit auf dem Boden herumzurutschen und uns anzubiedern. Wir erbringen einen großen gesellschaftlichen Beitrag, der in keinster Form die Würdigung erfährt, die ihm zusteht. Wir sind die Leistungsträgerinnen und Leistungsträger dieses Betriebes schlechthin. Und wir, wir weigern uns für diese Schnösel weiterhin den Hampelmann zu machen. Es ist an der Zeit dieser Dekadenz und dem damit einhergehenden Verfall unersetzlicher gesellschaftlicher Werte ein Ende zu bereiten.


Ich möchte mit euch über eure Einschätzungen und eure Erfahrungen sprechen. Wie seht ihr das? Wie geht es euch damit? Was habt ihr erlebt und wie ist es euch damit ergangen? Was können wir gemeinsam auf den Weg bringen, um diesen unerträglichen Zustand ein für alle Mal zu entsorgen.


Dieser ganze Filz gehört ausgemistet.

 

 

 

 

 

 

SCHREIBEN AN JACOB AUGSTEIN
AUGUST 2011

 

 

Liebe Redaktion, liebe Macherinnen und Macher von freitag, lieber Jakob Augstein,

Hans Ulrich Obrist, Ai Weiwei spricht. - Wer uns Menschen an den Glauben will....wir haben ja in der Regel nichts anderes.

Ich dachte ich sehe nicht richtig letzte Woche. Hans Ulrich Obrist, Ai Weiwei spricht. Buch der Woche bei freitag? Obrist, seit 20 Jahren immer an vorderster Stelle, wenn es darum geht Hand in Hand für eine zahlungskräftige Klientel, wert-konservativste Inhalte intellektuell bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Und natürlich Ai Weiwei.......für alle finanz- und systempartizipierenden westlichen „Kunst-Clans“ momentan der Wunschkandidat Nummer eins. Die Speerspitze mitten im aufziehenden Gewitter aus Fernost. In Nullkommanichts aufgebaut zu einer Ikone westlicher Ideale. In Anbetracht der Umstände, oder sagen wir besser Zustände des Kunstbetriebes europäisch/amerikanischer Machart kann ich diese Werbung „Buch der Woche“ inhaltlich nicht nachvollziehen. Sind es die Verkaufszahlen oder der Verbreitungsumfang?

 

Vorab sechs selbsterklärende Minuten.

http://www.youtube.com/watch?v=jEC2AuwS90I (Mittlerweile entfernt)

Der Blick in eine feudale Welt aus einer Zeit jenseits der Aufklärung. „Jeden Monat erscheint ein neues Buch von ihm. Jeden Tag interviewt er einen anderen Star der Kunstszene“. Wann schreibt er diese Bücher? In 20 Jahren hat er 240 Bücher geschrieben und 7300 Künstler interviewt und das Ganze jahrelang „bei nur 2,5 Stunden Schlaf pro Tag“? Was steht denn dann unter diesen Voraussetzungen da drin?

Ganz gleich welches Video.

https://www.youtube.com/watch?v=9L4TYYNY6jw

Als Außenstehende oder Außenstehender bleibt nur: Die haben sie nicht mehr alle, diese eitlen Fatzken. Wettrenn-Quasselei ohne Luft holen zum Abgewöhnen. Ohne Sinn, Verstand und Essenz. Was soll das?

 

Wie ist es bei uns um die Zensur bestellt? Soziale Diagonalität, Willkür, Dekadenz, snobistische Ignoranz, Heuchelei, Inhalts- und Belanglosigkeiten sind allesamt zahlreich vertreten innerhalb der finanzstarken Kunst-Kulisse westlicher Prägung, die sich am liebsten „alles“ zu eigen macht und deren einzige Aufgabe darin besteht, gesellschaftlichen Begebenheiten ein Zerrbild zu verabreichen. Uns Sand in die Augen zu streuen. Und ja, gerade da wo man als Außenstehender vielleicht etwas ganz anderes vermuten würde. Genau dort ist Transparenz eben nicht gerne gesehen. Die verdeckte Botschaft lautet: Grenzenloser Reichtum, wie auch immer erworben, genießt höchstes Ansehen und ist die absolute Religion. Diese, hält zwar ein Mindestmaß an Kritik aus im Jahre 2011, aber mit dem Informationsmonopol im Rücken werden unbequeme Nachfragen kurzerhand untergebuttert und im Idealfall noch egalisiert. Eine dieser Nachfragen wäre zum Beispiel: Warum stellt sich dieses „Bild“ immer so einseitig dar?

 

Ausstaffiert wird das Ganze mit einer überdimensionierten, medialen Präsenz und einem versierten Spiel aus einem nicht enden wollenden intellektuellem Ornament als Begleitmaterial. Das wiederum verstehen in der Regel nur diejenigen, die es für die exquisiten Auftraggeber erstellt haben. Schließlich ist es ja nur dazu gemacht, sich abzuheben von dem Rest. Am allerliebsten aber, erscheinen die Profiteure, Strippenzieher, Marionetten, Galeristen, Museumsleute, Sammler, Kuratoren, Kunsthistoriker und Protagonisten (beiderlei Geschlechts) in dieser Kulisse in einem Gewand aus zahlreichen subversiven Legenden. Mehrheitlich komplett frei erfunden und als Schmuck und Ausdruck besonderer Kreativität sehr begehrt. Sie dienen der Ablenkung von einer Realität, die das ach so geliebte Abbild trüben könnte. Frei von jeglichem Störenden und von gesellschaftlicher Verantwortung wird in allererster Linie eine „Gegenwelt“ finanziert. Ein Freiraum. Eine verschworene Gemeinschaft, die am liebsten unter ihresgleichen weilt und sich nach strikten Kriterien sozialer Herkunft und sozialen Daseins ausrichtet. Eine Zusammenrottung.

 

Mitspielen darf, wer die Voraussetzungen bedingungslos erfüllt und bei Huldigungen „den Götzendienst“ unter keinen Umständen in Frage stellt. Ansonsten drohen zahlreiche Befindlichkeiten und der sofortige Ausschluss. Zuschauer, das gemeine Volk also, sind bei Eröffnungen als Statisten selbstverständlich gerne gesehen und zugelassen. Das erhöht das Selbstwertgefühl bei Auftritten in der Öffentlichkeit. Wer keine Ausgrenzung erfahren möchte, sollte es aber in jedem Falle verstehen, sich zur rechten Zeit passgenau vor Obrigkeiten aller Art auf den Boden zu werfen. Natürlich erwarten die Personen, die lange genug vor Anderen herum gerutscht sind, jetzt auch, das ihnen Gleiches widerfährt. Insbesondere von Leuten, die ihnen als rangniedere Wesen erscheinen. Sonst hätte sich der Aufwand ja nicht gelohnt. So lebt man unter Ausblendung von Geschichte mit Vorliebe ein Gesellschaftsmodell das in anderen Bereichen schon längst ausgestorben schien.

 

Nur am Rande: Dem „besonderen Umgang“ zwischen den einzelnen Teilhabenden und deren Rängen liegt u.a. die wage Vermutung zugrunde: Künstlerinnen und Künstler können ja schließlich machen was sie wollen. Das hat seit jeher für großen Neid gesorgt und führt in der Folge dazu, nach erfolgreicher Symbiose mit dem Werk oder vorzeitiger Ablehnung, zunächst auf anderer Ebene gleichzuziehen. Bei der entsprechenden Gelegenheit ist natürlich Übertrumpfen an der Tagesordnung. Bei diesem perfiden Gesellschaftsspiel – die Künstlerinnen und Künstler arbeiten selbstverständlich unentgeltlich, es sei denn sie sind „gekauft“ - gibt es keinerlei Kontrollinstanzen und nur sehr, sehr wenige nicht infiltrierte staatliche Regularien. Und das ist so gewollt. Wer sich jetzt umsieht und zahllose Förderungsmöglichkeiten entdeckt - alles Errungenschaften unserer freien Welt - wird bei genauerem Betrachten ein „Fürstentum“ nach dem anderen sichten: Alles Abkömmlinge in den verschiedensten Schattierungen. Mit zahlreichen Sieb- und Filterfunktionen ausgestattet.

 


Zurück zu Hans Ulrich Obrist, 2009 von der Kunstzeitschrift artreview (London) zum wichtigsten Mann der internationalen Kunstwelt gekürt. Ein Repräsentant höchster Ebene sozusagen. Nein, es geht nicht um Obrist, sondern um das, wofür er steht. Denn, wenn das, was er transportiert und vermittelt der Inhalt ist, gehe ich von einer„feindlichen Übernahme“aus.
Wir haben es hier unverändert mit einem „Glaubenskrieg“ zu tun. Das war vor und nach der Renaissance niemals anders. Wenn jedoch die Gesetzmäßigkeiten in diesem Umfeld überwiegend, wie oben beschrieben, dem Diktat einer kleinen Clique unterstellt sind, die unter „Ausschluss mehrheitlicher Lebenswirklichkeiten“ Narrenfreiheit genießt, dann entsteht dadurch nicht einfach nur ein verfälschtes Bild der Wirklichkeit, sondern dann ist das vor allem ein Angriff gegen die Aufklärung. Und Obrist ein Trojanisches Pferd.

 

Viele Grüße, Christian Möller

 

 

 

 

 

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